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 Gefahr aus dem 3-Wege-Kat_

09.12.2005   Autos mit 3-Wege-Katalysator sind längst nicht so sauber wie bislang angenommen. Das zeigt eine Studie von Botanikern der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Demnach pusten die entgifteten Fahrzeuge Ammoniak in die Luft - ein Gas, das beispielsweise bei der Viehhaltung entsteht und für den stechenden Geruch von Mist und Gülle verantwortlich ist.

Anlass für die Studie waren ungewöhnliche Veränderungen der Pflanzenwelt an Straßen. So wachsen heute an viel befahrenen Verkehrswegen zahlreiche Moose und Flechten, die dort noch vor wenigen Jahren unbekannt waren. Die neuen Besiedler der Kantsteine wurden früher fast nur an Betoneinfassungen von Misthaufen registriert. Dort enthält die Luft viel Ammoniak, und dieser dient dem Moos als wichtige Stickstoff-Quelle.

Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, dass die Expansion der stickstoffliebenden Flechtenarten mit Ammoniak in Autoabgasen zusammenhängen könnte. Belegen ließ sich dies aber nicht, da die Ammoniak-Konzentrationen bei Schadstoffbestimmungen normalerweise nicht mitgemessen wird. Nach bisheriger Meinung sollte die Substanz im Abgas allenfalls in minimalen Konzentrationen vorkommen.

"Wir haben bei 30 Fahrzeugen mit Katalysator das Abgas untersucht", sagt Professor Jan-Peter Frahm vom Bonner Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen. Das Ergebnis überraschte: "Alle Pkw pusteten Ammoniak in die Luft - und das in Konzentrationen, die man zum Teil bereits mit der Nase wahrnehmen konnte."

Gefahr für die menschliche Gesundheit geht den Angaben nach von den gemessenen Mengen nicht aus, da sich das Gas schnell verdünnt. Gefährlicher ist da schon der natürliche Düngeeffekt von Ammoniak: "Die Düngung ist so hoch, dass sie nur von wenigen Moos- und Flechtenarten toleriert wird", betont Frahm. "Die anderen halten das gar nicht aus." So sei ein allmähliches Verschwinden anderer Arten am Straßenrand zu beobachten.

Besonders Blütenpflanzen, die Stickstoff anders als Moose und Flechten nicht aus der Luft aufnehmen, seien gefährdet: Ammoniak verbindet sich nämlich mit Bestandteilen der Luft zu Ammoniumnitrat, das in den Boden gelangt. Einige seltene Arten vertragen diesen natürlichen Dünger nicht und verschwinden aus dem Straßenbild. "Anders als beim Sauren Regen sterben wegen des Ammoniaks aber keine Bäume", sagt Frahm. Er fürchtet jedoch eine schleichenden Veränderungen: "Das langfristige Resultat ist eine zunehmende Verarmung der Natur."

(ddp)